Der verschlossene Raum

Vor einiger Zeit stieß ich auf einen Beitrag von Anthony Ehlers auf Writers Write, der mich sehr fesselte mit seiner Idee, einen Plot zu testen. Es handelt sich um „The Locked Room„.

Egal in welcher Geschichte, der Protagonist muss sich seinen Weg erkämpfen, nachdem er in die Ecke gedrängt wurde. Das geschieht durch den Plot, der dem Leser Konflikt, Intensität und definierbare Hindernisse gibt. Laut Ehlers ist ein Weg, den Plot zu testen, der verschlossene Raum ( „locked room“).

Dabei kann dieser Raum real sein, wie etwa eine Gefängniszelle; aber auch eine Frau, die in einer lieblosen Ehe gefangen ist oder jemand mit einer Depression, sodass es eher einen inneren Raum betrifft, aus dem sie sich nicht befreien können.

Man setzt seinen Protagonisten in eine Raum, verschließt die Tür, vergittert die Fenster und nimmt ihm Essen und Annehmlichkeiten, um dann zu beobachten, was passiert. Oder genauer gesagt, muss man ihn als Autor nun aus dem verschlossenen Raum wieder herausholen.

Dabei stellte Ehlers folgende Fragen auf, um es deutlicher zu machen:

  1. Wer sperrte ihn in dem Raum ein?
  2. Warum wurde er von ihnen in den Raum gesperrt?
  3. Warum muss er wieder raus aus dem Raum? Welche Konsequenzen gibt es, wenn er nicht aus dem Raum entkommt?
  4. Ist etwas oder jemand mit ihm im Raum?
  5. Wie befreit er sich aus dem verschlossenen Raum? Benutzt er Worte? Gewalt?

An dieser Stelle gebe ich euch noch das Beispiel, das Ehlers nennt:

Eine naive, junge Erbin wird überzeugt, eine Verlobung mit einem reichen alten Mann einzugehen. Es sind die 1920er, womit der verschlossene Raum durch die Moral und den Erwartungsdruck der Gesellschaft dieser Zeit definiert wird. Sie muss sich aus dieser Beziehung befreien, weil sie befürchtet genauso ein unglücklicher, zugeknöpfter Snob wie ihre Mutter zu werden.

Die einzige Person, die sie versteht und ihr helfen kann, ist eine freigeistige und rebellische Journalistin, die sie ermutigt, sich von ihrer reichen Familie loszusagen und ihre eigene Identität zu finden.

Ich habe mir auch noch ein Beispiel überlegt und „Sophie im Schloss des Zauberers“ (im Original „Howl’s Moving Castle„) von Diana Wynne Jones ausgesucht. Viele werden vermutlich eher den Film von Studio Ghibli, „Das wandelnde Schloss„, kennen. Egal, ob man nun Film oder Buch kennt, die grundlegenden Dinge im Plot bleiben gleich.

Sophie wird von der Hexe aus dem Niemandsland in eine alte Frau verwandelt. Somit ist Sophies eigener Körper ihr Gefängnis, da ihr ungefähr 60 Jahre ihres Lebens gestohlen wurden, sodass sie nun auch viel früher stirbt, wenn sie den Fluch nicht brechen kann.

Als Sophie in Howls Schloss auf Calcifer trifft, bietet er ihr an, den Fluch für sie zu brechen, doch erst dann, wenn sie ihn im Gegenzug von seinem Vertrag mit Howl erlöst. So beginnt sie ihre Arbeit im wandelnden Schloss, um Näheres zu dem Vertrag zu erfahren und ihn dann zu lösen, was auch zu Howls Wohl geschehen muss.

Am Ende lag es nur an Sophie selbst, den Fluch zu brechen und wieder jung zu werden.

 

Ich hoffe, ich konnte es euch deutlich machen, wie der verschlossene Raum funktioniert. Als ich es auf meine eigene Geschichte angewendet habe, hat es mir sehr gut weitergeholfen und mir sogar ein oder zwei Dinge aufgezeigt, die noch etwas der Bearbeitung bedurften. Doch jeder muss für sich selbst ausprobieren, ob es ihm nutzt und auch zusagt.

Wer will, kann alles nochmal im Original auf Writers Write nachlesen.

The Locked Room – A simple way to test your plot.

 

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